Herr Westerwelle

Ob der Himmel über Deutschland wegen des Wahlausganges weint? Man könnte es vermuten, aber wahrscheinlicher ist es, dass der Herbst mit großen Schritten naht.

Die FDP ist am Ziel. Nach elf Jahren mit Kampagnen in alle Richtungen, man erinnere sich an den Spaßwahlkampf, die Fallschirmaktionen des Herrn Möllemann, 18-Prozent-Schuhsohlen, Anfeindungen nach links und rechts und immer wieder die Betonung, dass die FDP zu ihrem Kurs stehe und nicht plötzlich umfallen würde. Allen voran geht ein in den letzten Tagen dauergrinsender Westerwelle, der nach so vielen Versprechungen seine Wähler eigentlich nur enttäuschen kann. Viel Zeit gelassen hat er ihnen nicht, sich zu freuen. Schon als die Kanzlerin verkündete, einige Positionen, die die FDP fordert, seien nicht verhandelbar, muss er zurückrudern und aus den ehemaligen “ohne das keine Koalition mit uns” wurden plötzlich Punkte, über die verhandelt werden muss. Auch die FDP muss sich jetzt wieder daran gewöhnen, dass regieren Kompromisse aushandeln bedeutet und das ist gut so. Mit nicht einmal 15% vertritt die FDP nämlich nur eine Minderheit in Deutschland, führt sich aber noch so auf, als wäre sie die einzige Partei mit Lösungsvorschlägen.

Sichtlich getroffen von dieser überraschenden Entwicklung wirkte Herr Westerwelle auch plötzlich gar nicht mehr so fröhlich, als er die arme BBC-Reporterin anblaffte, sie solle ihre Fragen auf Deutsch stellen. Offenbart er hier eine Englisch-Schwäche? Dann wären ein paar Crash-Kurse aber dringend angesagt. Schließlich möchte er Außenminister werden. Es ist zwar nicht zu erwarten, dass mangelnde Fremdsprachkenntnisse Deutschland in die Isolation führen würden, dennoch ist die internationale Verhandlungssprache Englisch. Mitreden können ohne Dolmetscher ist also mehr als Vorteilhaft für einen solchen Posten.

Viele Staaten, darunter die USA, schätzten Steinmeier und seine Auftritte. Er hinterlässt große Fußstapfen, die ein derzeit noch sehr wackelig wirkender Westerwelle sicher nicht von Anfang an ausfüllen kann.

Herr Westerwelle hat sich viel vorgenommen. Vergleicht man seine Darstellung vor der Wahl mit den Möglichkeiten, die er nach der Wahl hat, kann er zunächst nur verlieren. Die Zeit wird zeigen, ob er auf Dauer der Verantwortung gewachsen ist, auf die er so viele Jahre hingearbeitet hat.

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