“Nacktscanner” und Überwachungsstaat 2.0

Sie ist wieder da, die Diskussion um die beim letzten Mal noch verpönten “Nacktscanner”. Mehr Sicherheit wird versprochen, weniger Aufwand, bessere Kontrolle. Also das Standardvokabular für Freiheitsbeschränkungen und Überwachungswahn. Ähnliche Formulierung lassen sich beim “Großen Lauschangriff”, bei der Internetüberwachung, den zahlreichen Überwachungskameras im öffentlichen Raum, der Nutzung der Mautdaten, Zugriff auf persönliche, besonders geschützte Daten, wie neuerdings durch “ELENA” (Klick für Erläuterung Wikipedia oder eine exzellente Beschreibung von “itsicherheit”) oder einfach die routinemäßig gewordene Erfassung von Daten wie die Vorratsdatenspeicherung oder das Erfassen von biometrischen Daten für den Ausweis.
Alles dies wird mit der Terrorismusbekämpfung, Wahrung der Sicherheit und der Freiheit und dem Schutz des Staates begründet. Sicherlich lässt sich mit der ein oder anderen Methode der ein oder andere Terrorist fangen, aber wieso müssen zuvor tausende, zehntausende, wenn nicht gar Millionen von Menschen, die nie im Leben auch nur den Gedanken hätten irgendetwas “unrechtes” zu tun, vollständig überwacht werden? Von fast jedem von uns können inzwischen dank Handynutzung Bewegungsprofile der genauesten Sorte erstellt werden. Bevorzugte Websites können ausfindig gemacht und Gesprächspartner am Telefon herausgefunden werden. Ohne größeren Aufwand, dank der bereits vorhandenen Datenbanken. Die neue ELENA-Datenbank deckt nun auch die Arbeitswelt ab. Fantastisch! Bald sind wir so durchsichtig, dass man nicht einmal mehr eine Identifikation von uns braucht. Der im Ausweis eingebaute RFID-Chip ermöglicht es auf kurze Distanz ohne direkten Kontakt sämtliche Daten, die benötigt werden, auszulesen.
Nun braucht es nur einen vereitelten Angriff auf ein Flugzeug in den USA, um sämtliche bereits verstummte Diskussionen über “Nacktscanner” wieder aufleben zu lassen. Man könne ja Möglichkeiten schaffen, so dass der Intimbereich nur im Einzelfall einsehbar sei. Außerdem bliebe einem das lästige Abtasten erspart.
Das jeder Passagier unter Generalverdacht gestellt wird und sich quasi, wenn auch nur virtuell, vollständig entkleiden muss, bleibt unerwähnt. Früher wurde bei Verdacht genauer abgetastet, nur wer nach menschlichen Kriterien verdächtig war, wurde genauer untersucht. Kam es zu vielen Zwischenfällen? Abgesehen von leider sehr brutalen Anschlägen, kaum. Also bleibt die Frage, was man mit diesen Scannern überhaupt finden will, beziehungsweise wieso man dafür sämtliche Reisende untersuchen muss. Zusätzlich bleibt noch die Frage zu klären, was von diesen Datenmassen gespeichert wird.
Zum Schutz vor Einblicken in die Privatsphäre kann man zum Glück auf Flugreisen verzichten – Schutz vor staatlicher Dauerüberwachung lässt sich nur durch sehr bewusstes Verhalten erreichen.

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