Merkels Euro-Angst

Die Lage ist verfahren. Griechenland scheint kurz vor der Pleite zu stehen, doch der Wähler in Deutschland möchte keinen weiteren Steuercent mehr am Mittelmeer sehen. Merkel als Umfragereaktionärin passt sich an. Der alte Traum von Kohl und dessen CDU von einem geeinten Europa scheint trotzt Zoll-, Währungs- und Wirtschaftsunion in weite Ferne gerückt, es ist sogar von einem Ausschluss die Rede. Quasi als ob man Brandenburg wieder aus der Bundesrepublik geschmissen hätte, weil die anderen angeblich fleißiger gewesen sind.

Dieses Beispiel macht deutlich, dass ein Rückzug Griechenlands gleichzeitig auch das Ende eines geeinten Europas bedeuten würde. Griechenland würde nicht davon profitieren sondern wäre über Jahrzehnte instabil, den schon derzeitig erkennbaren Hass auf Deutschland und die anderen EU-Mächte noch gar nicht mit einkalkuliert. Und was macht Merkel? Sie prescht vor ins Nichts. Statt mit den europäischen Verbündeten zu kooperieren wird sogar die traditionelle Achse Paris-Berlin vernachlässigt. Merkel schafft sich so zu allen Seiten Fronten, die Deutschland langfristig schaden werden. Sicher ist es richtig, dass Schäuble und Merkel darauf achten, wie mit den Hilfen der anderen Länder umgegangen wird, da Deutschland auch den größten finanziellen Anteil trägt. Doch dieser Machtanspruch in einem eigentlich auf Augenhöhe gewöhntem Europa führt dies zu alten Ängsten. Ängsten vor einer neuen deutschen Vormachtsstellung, die keinem zum Vorteil wäre – auch Deutschland nicht.

Zurecht regt sich daher der Ärger und wird auch kein Ende nehmen, bevor nicht eine gemeinsame Lösung gefunden werden kann. Deutschland braucht die EU genauso wie die EU Deutschland braucht. In der Regel werden hierfür wirtschaftliche Argumente angeführt, doch auch gesellschaftliche sollten an dieser Stelle nicht außen vor gelassen werden. Nie zuvor war es so einfach tausende Kilometer zurückzulegen und überall sicher zu sein, dass die eigenen Rechte gewahrt werden. Nie zuvor war kultureller Austausch so problemlos möglich. Nie zuvor konnte mit einer Währung im Portmonee in einem so großen Gebiet in Europa gezahlt werden. Und all dies ist möglich ohne gewaltsame Unterdrückung oder Eroberungen, was zahlreiche europäische Völker zuvor schon versucht hatten. Es funktioniert einfach.

Wer nun an den Griechen zweifelt, zweifelt automatisch an dieser großartigen Idee, an der Vision eines europäischen Volkes, dass in Frieden und wirtschaftlichem Wohlstand miteinander leben kann, ohne den Nachbarn um irgendetwas zu beneiden.

Europa braucht die Europäische Union um es den Menschen zu ermöglichen.

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